Kategorie: Persönliches

  • Von soon zu someday zu never: Warum ich mein Ziel nie aufgegeben und trotzdem verfehlt habe

    Von soon zu someday zu never: Warum ich mein Ziel nie aufgegeben und trotzdem verfehlt habe

    Moin. Lange nicht gesehen.

    Neun Monate lang stand auf diesem Blog ein Beitrag, in dem ich dir erzähle, was hier alles kommen wird. 15 Artikel. Newsletter. Über-mich-Seite. Origami-Galerie. Ein Essay übers Introvertiertsein. Passiert ist: ein regelmäßiges Katzenbild.

    Ich könnte jetzt so tun, als wäre nichts gewesen. Aber ich habe mir stattdessen in den vergangenen Wochen angeschaut, was da eigentlich passiert ist und ein Muster entdeckt, das ich vorher nicht gesehen habe. Und nun sitze ich heute hier und schreibe darüber, statt mich weiter darüber zu ärgern, was alles nicht passiert ist.

    Meine To-Want-Liste

    Jetzt fragst du dich vielleicht, warum du dir das anhören solltest.

    Weil der blinde Fleck wahrscheinlich nicht nur meiner ist. Er steckt auch in einem beliebten Motivationsbild (hier zum Beispiel von Pejman Milani), und das kennst du vermutlich: Ein Bogenschütze zielt auf eine Scheibe am anderen Ende einer Schlucht, der Pfeil fällt zu kurz und landet im Abgrund. „If you keep falling short – aim higher.“ Zweites Bild: höher gezielt, Treffer.

    Was mir daran erst jetzt aufgefallen ist: Der Schütze im ersten Bild hat schon geschossen. Er sieht, wo sein Pfeil gelandet ist, und deshalb kann er beim nächsten Mal höher zielen. Der Rat funktioniert nur, weil zwischen dem ersten und zweiten Schuss jemand hingeschaut hat.

    Bei mir fehlte genau das. Im Oktober habe ich meine Vorhaben in eine To-Want-Liste geschrieben, ein Format, das ich bei Judith Peters gefunden habe. Und schon der Name sagt, worum es geht: To-Want, nicht To-Do. Das ist eine Wunschliste. Sie fragt dich, was du realisieren möchtest – nicht, wie du es schaffst.

    Das ist kein Konstruktionsfehler, das ist ihr Zweck, und darin ist sie großartig. Mein Fehler war, sie für einen Plan zu halten.

    Denn danach habe ich nie wieder auf diese Liste geschaut. Das Ziel lag zehn Wochen entfernt, die Rückmeldung kam am 31. Dezember. Wie ich stehe, wäre jede Woche ablesbar gewesen. Ich habe es nur nie abgelesen. Einen zweiten Schuss habe ich mir so gar nicht erst ermöglicht.

    So, dann lass uns mal schauen, was in der Zwischenzeit tatsächlich passiert ist.

    Bilanz: Voller Entwurfsordner aber keine Beiträge

    Was genau habe ich denn von meiner Liste erledigen können? Ich mache es kurz, denn passiert ist von den geplanten Inhalten wenig. Nicht nichts: Der Newsletter steht, ein paar Seiten haben sich bewegt, und ich habe zwischendurch Vorträge und Workshops rund um PKM, digitale Notizen und Obsidian gehalten.
    Was dabei herauskam, sieht man allerdings nur in meinem Vault. Aus jedem Vortrag, jedem Workshop, jeder Frage von Interessierten wurde eine Notiz, aus vielen davon ein Entwurf. Über dreißig angefangene Artikel liegen inzwischen in meinem Entwurfsordner. Online gegangen ist keiner.

    Und dann ist da das Katzenbild. Der niedrigschwelligste (und flauschigste) Punkt der ganzen Liste: ein Foto von meinen beiden Katzen, jede Woche, kein Anspruch, keine Recherche. Der lief eine Weile. Aber nach Woche sieben schlief auch dieses Vorhaben ein, ohne dass ich es je entschieden hätte.

    Genau da wurde es jetzt im Nachhinein für mich interessant. Denn wenn der ambitionierteste Punkt der Liste und der einfachste am Ende denselben Weg nehmen, dann liegt das Problem nicht an der Größe der Aufgabe. Dann liegt es woanders – und genau darüber habe ich in den vergangenen Wochen endlich nachgedacht und den Finger selbst in die Wunde gelegt.

    Außenperspektive als Beteiligte einnehmen

    An dieser Stelle könnte ich anfangen, mich zu erklären. Ich hatte viel zu tun, die Diss, das Leben, du kennst das. Stimmt alles und bringt genau nichts.

    Also habe ich etwas anderes gemacht: Ich habe meinen eigenen Blog angeschaut, als wäre er nicht meiner. Als hätte mir jemand eine fremde To-Want-Liste und die dazugehörige Bilanz auf den Tisch gelegt und gefragt: Was ist hier eigentlich passiert?

    Das ist ein komischer Perspektivwechsel, weil ich eben auch Beteiligte bin. Ich bin nicht die neutrale Beobachterin, sondern ich bin die, die hier nichts gepostet hat. Aber genau deshalb habe ich Daten, die eine Außenstehende nicht hätte: Ich weiß nämlich noch, wie sich jede einzelne dieser Wochen angefühlt hat, in denen nichts passiert ist. Ich erinnere mich an die „ne heute passt es nicht“ und das „aber das muss heute auch noch gemacht werden“ und das „schon so spät? uh … morgen ist sicher noch etwas Zeit dafür“.

    Und wenn ich mir das so anschaue, finde ich keinen Moment, in dem ich meine Punkte auf der To-Want-Liste aufgegeben hätte. Und das hat mich auf die richtige Spur gebracht.

    Mechanismus

    Von soon zu someday zu never – ohne einen einzigen Entschluss

    Ende Oktober war „15 Beiträge“ ein soon. Hoch gezielt, aber ehrlich gemeint. Sah machbar aus und hatte mit der Idee von ein Beitrag pro Woche(nende) einen relativ konkreten Plan und mit meinen damals schon zahlreichen Entwürfen ein gutes Gefühl.

    Irgendwann wurde daraus ein someday. Nicht, weil ich etwas verschoben hätte, denn das hätte ja eine Entscheidung gebraucht. Sondern weil ich angefangen habe, andere Dinge für den Blog zu priorisieren („ich brauch doch erst noch …“, „sollte ich nicht erstmal“) und das Schreiben selbst immer wieder mitzuschieben: „ach das mach ich morgen mit“.

    Und dann war es ein never. Auch das habe ich nicht beschlossen, es ist einfach eingetreten. Irgendwann war der Gedanke „das lohnt jetzt auch nicht mehr“ einfach da, und zwar jedes Mal, wenn ich an den Blog gedacht habe. Das Verrückte daran: Das fühlte sich nicht an wie Aufgeben, sondern wie Vernunft. Schließlich hatte ich das nun schon so lange aufgeschoben.

    Zwischen diesen drei Zuständen liegt keine einzige Entscheidung. Es gab nie einen Moment, in dem ich gesagt hätte: Das wird nichts, ich sollte das anpassen. Und genau das ist der Kern. denn ein Ziel ohne Zwischenstände hat keinen Ort, an dem man sich selbst korrigieren könnte. Nur einen, der zwei Zustände hat: ja oder nein.

    Der Fünf-Minuten-Tipp … und was er nicht sagt

    Du kennst bestimmt diesen Tipp: Setz dir einen Timer von fünf Minuten und fang an. Nach fünf Minuten darfst du aufhören, wenn du es möchtest. Kombiniert wird das häufig mit einem zweiten Tipp: Mach den kleinsten und/oder simpelsten Schritt einer Aufgabe, egal wie trivial es erscheint. Beides soll dich in Schwung bringen, besonders bei größeren Aufgaben oder wenn du es herausfordernd findest, überhaupt anzufangen.

    Beide Tipps funktionieren, ich hab das zum Beispiel beim Einrichten meines Newsletters erlebt. Ich wollte an einem Freitagabend kurz auf einen bestehenden Entwurf für meine Willkommensmail schauen und dann etwas anderes machen. Zwei Stunden später saß ich vor einem fertigen Newsletter-Setup: Mail geschrieben, Liste angelegt, Formular gebaut, Templates erstellt, Testlauf gemacht, weil eins zum anderen geführt hat und mich der Prozess nicht losgelassen hat.

    Wenn ich mir anschaue, warum das funktioniert hat, sind da drei Zahnräder:

    Die Einheit war lächerlich klein. Ich wollte nicht das Newsletter-Setup bauen, ich wollte einen Entwurf lesen. Dieses Draufschauen war mit keiner Hürde verbunden, Notiz öffnen, lesen, fertig.

    Jeder Schritt hat den nächsten sichtbar gemacht. Vorher wirkt so eine Aufgabe wie ein Berg im dichten Nebel: Du weißt ungefähr, wo oben ist, aber der Weg dahin ist grau. Nach dem ersten Schritt siehst du nicht den ganzen Berg, sondern nur den nächsten Wegabschnitt – und das reicht völlig. Man kommt erstaunlich weit, wenn man immer nur den nächsten Abschnitt im Blick haben muss statt der gesamten Strecke.

    Und ich durfte jederzeit aufhören. Nach der initialen Aufgabe „Entwurf anschauen“ war alles andere optional. Mein Newsletter-Tool hat für alles standardisierte Seiten und vorbereitete Mails, nur die Willkommensbotschaft wollte ich individuell gestalten. Ich hätte danach also aufhören dürfen.
    Was nach einem Detail klingt, ist die Bedingung für das Funktionieren solcher Tipps: Ehrlich sein. Wer sich insgeheim zu zwei Stunden verpflichtet und nur „fünf Minuten“ draufschreibt, oder „simpler Schritt“ sagt, aber komplexe Abläufe meint, merkt den Selbstbetrug sofort und der Effekt tritt nicht ein.

    So weit, so gut. Und trotzdem ist mein Blog neun Monate (oder wie ich während des Schreibens einmal zu oft geschrieben habe: „nein Monate“) leer geblieben, obwohl ich in dieser Zeit immer wieder kleine, machbare Dinge getan habe. Ich habe dazugelernt und meine Ideen sind alle im Entwurfsordner gelandet. Nur das Wichtigste habe ich nie gemacht: veröffentlichen.

    Wie geht das zusammen?

    Tipps wie der Fünf-Minuten-Tipp lösen nur die halbe Aufgabe. Sie sorgen dafür, dass du überhaupt anfängst. Sie nehmen dir aber nicht die Entscheidung ab, womit du eigentlich anfangen solltest. Ob ein Schritt in die richtige oder in die falsche Richtung geht, darüber sagen sie kein Wort. Und ein kleiner Schritt in die falsche Richtung ist immer noch ein getaner Schritt und fühlt sich exakt genauso gut an.
    Damit sind wir zurück beim Berg im Nebel: Der nächste Wegabschnitt ist sichtbar. Ob er auf deinen Berg führt, ist es nicht.

    Tür oder Ersatz

    Beides sind fünf Minuten. Die Frage ist: Welche davon bringt mein Projekt weiter?

    Ich hab es für mich so sortiert: Es gibt Dinge, die liegen auf dem Weg zu dem, was ich eigentlich vorhabe – und es gibt Dinge, die liegen daneben. Die auf dem Weg nenne ich Türen: Wenn ich durch bin, sehe ich den nächsten Schritt. Die daneben nenne ich Ersatz: Wenn ich fertig bin, sehe ich den nächsten Schritt nicht, aber es fühlt sich trotzdem gut an, ich hab ja etwas erledigt.

    • „Entwurf der Willkommensmail anschauen“ war eine Tür. Mailentwurf angeschaut → eigene Version geschrieben → ach, dann kann ich auch gleich die Liste anlegen → Formular → Templates → Test.
    • Theme anpassen, ein Plugin testen, das Katzenbild hochladen: Ersatz. Nicht, weil es schlecht wäre, im Gegenteil: ich mag diese Bastelarbeiten, dieses Optimieren, und das Katzenbild mag ich sowieso. Aber diese Zeit ging für etwas drauf, das keinen Blogbeitrag vorangebracht hat.

    Und beim Katzenbild geht das sogar noch einen Schritt weiter: Das stand ja auf meiner Liste. Es war eines meiner Vorhaben, ich habe es also nicht mal „falsch“ gemacht. Ein Ersatz muss gar keine Ablenkung von außen sein. Er kann direkt von der eigenen To-do-Liste kommen und dann ist er besonders gut getarnt, weil man ihn ja abhaken darf.

    Der Ersatz mit der besten Tarnung ist bei mir übrigens das Optimieren. Denn ich beschäftige mich gern mit meinen Systemen: Einstellungen, Vorlagen, Abläufe, Automatisierungen, und verliere mich dann darin. Von außen sieht das wie das Gegenteil von Prokrastination aus. Ich arbeite ja. Ich arbeite sogar ziemlich gründlich.

    Es ist trotzdem dasselbe: kleine, gut abhakbare Handlungen neben dem eigentlichen Weg. Der einzige Unterschied zum klassischen Aufschieben ist, dass man sich beim Optimieren länger einreden kann, man sei produktiv.

    Und die ultimative Kombination ist dann: „Dazu muss ich mich erst noch einlesen.“ Dann optimiere ich nicht mein System, sondern mein Wissen. Klingt vernünftig, fühlt sich gut an, ist dieselbe Falle.

    Das Fiese daran: Während man sie tut, fühlen sich Tür und Ersatz exakt gleich an. Klein, machbar, erledigt. Aber der Unterschied zeigt sich erst rückblickend.

    Und dann kommt noch etwas dazu: Eigene Projekte sind nie dringend. Niemand wartet auf meinen Blogbeitrag, niemand hakt nach und es gibt keine Frist, an die ich mich halten muss. Wichtig ist er trotzdem, mir jedenfalls. Aber wichtig ohne dringend verliert im Alltag fast jedes Duell gegen alles dringende.

    Warum fünf Minuten irgendwann nicht mehr reichen

    Ein Nachtrag zum Fünf-Minuten-Tipp: Er funktioniert meiner Ansicht nach nur bei „frischen“ Aufgaben. Bei lange liegengebliebenen wird es schwieriger, denn dann ist die Aufgabe nicht mehr nur die Aufgabe, egal wie klein sie ist, egal wie schnell sie geht. Hinter ihr steht die gesamte Bilanz. „Ich schau mal fünf Minuten auf eine Beitrags-Idee“ heißt in Wahrheit: „Ich schau mir fünf Minuten lang an, was ich alles nicht gemacht habe.“ Da kann einem die Lust schon vergehen, wenn man nur an die Aufgabe denkt.

    Das ist kein Willenskraft-Problem. Das ist ein Aufgaben-mit-Ballast-Problem, das mit der Zeit gewachsen ist. Und das steht nicht an der Aufgabe dran – das trägt man mit sich herum.

    Frust ist keine Motivation – Frust ist ein Signal

    Du kennst bestimmt diese Rillen am Rand der Autobahn. Fährst du drauf, rumpelt und dröhnt es, und du lenkst zurück. Frust funktioniert ähnlich: Er ist keine Motivation, er ist eine Rückmeldung. Er sagt nicht „streng dich mehr an“. Er sagt „du bist vom Weg ab“.

    Nur hat Frust einen Konstruktionsfehler, den die Rillen nicht haben: Die rumpeln sofort. Frust meldet sich erst, wenn du mit deinen Plänen längst im Acker stehst. Zum Steuern taugt er deshalb nicht, dafür ist er zu langsam. Daher lohnt es sich, auf die Signale zu achten, die früher kommen. Bei mir sind es drei:

    • Ich schiebe Aufgaben in Tage, die schon voll sind.
    • Ich erledige für mein Projekt fast nur noch Ersatz und kaum noch Türen.
    • Der Fünf-Minuten-Einstieg funktioniert nicht mehr und irgendwann versuche ich ihn gar nicht mehr.

    Jedes dieser Signale sieht für sich harmlos aus. Zusammen sind sie der Punkt, an dem aus einem Plan eine Fiktion wird. Sie sieht nur weiterhin genauso aus wie ein Plan.

    Wozu Frust aber taugt: Er zeigt zuverlässig an, wo man eigentlich hinwollte. Man ärgert sich nicht über Dinge, die einem egal sind. Wenn dich also etwas wurmt, das du nicht tust, steckt darin schon die Antwort auf die Frage, ob es dir wichtig ist. Frust und Ärger sind unangenehm, aber sie sind ehrlich.

    Von den Rillen wirst du gewarnt, lenken musst du selbst. Nach dem Frust muss also etwas passieren. Und hier wird es wieder persönlich, denn was nach dem Frust-Hinweis passiert, sieht bei jedem anders aus.
    Bei mir wird aus Frust erst einmal Material: also etwas, das ich aufschreibe, um es anzuschauen und auseinanderzunehmen. Die Motivation kommt dann nicht aus dem Ärger, sondern aus dem, was daraus entstanden ist. Du liest es gerade. Und das Schöne daran: Dieser Text war genau die Tür, die ich gebraucht habe.

    Meine Änderung und vielleicht auch deine?

    Ich habe also gelernt: Selbstgesetzte Deadlines funktionieren bei mir nicht. Ich bin für mich selbst kein guter Accountability-Buddy, denn ich lasse mir alles durchgehen, und zwar mit vollem Verständnis für meine Lage.

    Also habe ich aufgehört, an mir zu arbeiten (zumindest in diesem Punkt), und angefangen, an der Aufgabe zu arbeiten. Drei Dinge setzen aktuell einen Rahmen dafür:

    Zeit und Freizeit. Ich habe jetzt eine „Ich sitze und schreibe“-Zeit und eine „Ich mach Tech-Bastel-Kram“-Freizeit. Der Unterschied: Die eine ist für etwas Konkretes reserviert (Schreiben), die andere für eine grobe Kategorie (Tech-Bastel-Kram) und deshalb in meinen Augen auch die Unterscheidung zwischen Zeit und Freizeit. Optimieren und Weiterbilden darf also sein. Es darf nur keine Zeit klauen, die für etwas anderes vorgesehen ist. Das nimmt dem Ersatz weder den Spaß noch den Raum, aber den Zugriff auf die Tür.

    Eine vorbereitete Tür. Ideen sammeln ist bei mir nichts Neues, das mache ich seit Jahren: Für jedes Vorhaben gibt es eine Notiz, in der alles landet, was mir dazu einfällt. Neu ist, wann daraus mehr wird. Zu jeder Beitragsidee liegt inzwischen eine eigene Notiz mit Stichpunkten bereit, lange bevor ich Zeit zum Schreiben habe. Wenn ich mich dann hinsetze, muss ich nicht erst überlegen, worüber ich schreibe, und auch nichts zusammensuchen. Es liegt alles da und das senkt die Einstiegshürde erheblich.
    Im Grunde ist das der Fünf-Minuten-Tipp, nur früher angewendet: Ich mache mir den Einstieg nicht erst leicht, wenn ich schon davorstehe (und die Inspiration fehlt), sondern vorher, wenn es mich nichts kostet.

    Dabei hat sich noch etwas geklärt. Eine To-Want-Liste als Blogbeitrag funktioniert für mich nicht – ein Blogbeitrag ist für mich eine Momentaufnahme. Einmal veröffentlicht rutscht er ins „Erledigt“, und damit waren meine Wünsche für mich nicht mehr sichtbar. Deshalb ziehen sie jetzt in meinem Digital Garden um, wo ich sie sehe, ergänze und streiche. Judith Peters pflegt ihre Liste übrigens auch weiter, ihr Beitrag von Oktober 2025 wurde zuletzt im April 2026 bearbeitet. Sie kommt also zurück. Nur brauche ich dafür offenbar eine eigene Seite, die nie nach hinten rutscht.

    Und diesmal habe ich nachgesteuert. Ehrliche Fassung: Mein erster echter Schreib-Samstag ist mir weggerutscht. Ich habe stattdessen mein Schreib-Setup vorbereitet … also schon wieder Tech-Kram. Der Unterschied zu früher war nur, dass ich diese Vorbereitung bewusst auf das begrenzt habe, was ich tatsächlich zum Schreiben haben wollte und ich habe dort Schluss gemacht, wo es lediglich „vielleicht irgendwann mal praktisch sein könnte„. Und dass ich am Sonntagvormittag festgestellt habe: Ich bin einen Tag hinten. Also sitze ich jetzt hier, mit frischem Kaffee und dem klaren Ziel, diesen Beitrag heute noch zu veröffentlichen. Alles andere ist nachgelagert. Und was soll ich sagen: hat funktioniert.

    Das fühlt sich an wie ein halber Sieg. Nicht wie eine halbe Niederlage. Wichtiger Unterschied. Muss ich deshalb ein anderes Sonntags-Projekt an einem anderen Wochenende umsetzen? Vielleicht! Aber ich habe meinen Fokus bewahrt und das ist ein Erfolg.

    Und das ist der eigentliche Unterschied zum Oktober: nicht, dass es diesmal glatt läuft, sondern dass es einen Moment gab, in dem ich nachjustiert habe. Möglich war das nur, weil es überhaupt einen Termin gab, den ich dafür anschauen konnte.

    Samstagnachmittag gehört dem Schreiben, ein Teil des Sonntags dem Tech-Bastel-Kram. Beide liegen genau da, wo sie momentan für mich funktionieren, und das ist die halbe Miete. Die andere Hälfte ist, sie auch einzuhalten. Zeit nehmen und Zeit einhalten sind zwei verschiedene Dinge – das zweite ist (für mich) das schwierigere.

    Mein ABER

    Wenn du bis hierhin gelesen hast: Danke! Ehrlich. Und beim Lesen gibt es jetzt vermutlich zwei Reaktionen: „Oh ja, ist mir auch schon passiert, kenne ich!“ oder „Kann ich so nicht nachvollziehen, wo ist das Problem genau?“. Beide sind völlig in Ordnung, denn wir alle reagieren anders auf solche Herausforderungen. Das hier ist ein Erfahrungsbericht. Meiner. Keine ultimative Wahrheit.

    Wenn selbstgesetzte Deadlines bei dir funktionieren – behalte sie. Du musst nichts ändern. Wenn sie bei dir nicht funktionieren, dann such nach Alternativen. Das hier ist eine davon.

    Eine Sache möchte ich aber ausdrücklich nicht gesagt haben: dass du disziplinierter werden musst. Ich bin nicht disziplinierter geworden. Ich habe die Aufgabe anders aufgebaut, kleiner gemacht und mir Struktur von außen reingeholt. Eigene (Herzens-)Projekte nicht voranbringen ist keine Charakterfrage, es ist Aufgaben-Design und das ist die deutlich entspanntere Baustelle.

    Hier schließt sich der Kreis: Du bist dran

    Ziel ruhig hoch. Der Fehler steckt selten beim gewählten Ziel, sondern in dem, was zwischen dir und dem Ziel steht. Oder eben nicht steht. Bei mir stand da nichts: keine Routine, kein Termin, an dem ich hingeschaut hätte, kein Moment zum Nachjustieren. Ein hohes Ziel ohne Zwischenstände ist kein ambitionierter Plan. Es ist ein Wunsch mit Verfallsdatum.

    Und falls du dir gerade denkst „hm, bei mir gibt’s da auch so ein Projekt“, dann probier das hier mal aus: Such dir auf deiner Liste einen Punkt, der klein und angenehm ist. Und stell ihm eine Frage:

    Wenn ich das erledigt habe, sehe ich danach den nächsten Schritt zu dem, was ich eigentlich vorhabe? Oder fühle ich mich nur besser weil es erledigt ist?

    Das erste ist eine Tür. Das zweite ist ein Ersatz. Beides darf sein, das ist kein moralisches Urteil. Es hilft nur ungemein, den Unterschied zu kennen um auf dem Weg zu bleiben, der dich in deinem Vorhaben wirklich weiter bringt.

    Wie es hier weitergeht, erzähle ich diesmal nicht. Aus Gründen, die du gerade gelesen hast. Aber ich lade dich ein, meinen Newsletter zu abonnieren, damit du direkt erfährst, was von meiner Ideenliste als nächstes zu einem Beitrag wird.

  • Meine Ziele bis zum 31. Dezember 2025

    Meine Ziele bis zum 31. Dezember 2025

    Du hast auf diesen Blog gefunden, aber hier ist noch nicht viel los? Kein Wunder: Ich habe gerade erst (Oktober 2025) mit dem Schreiben begonnen. Damit du jetzt schon weißt, was sich in den nächsten Wochen und Monaten hier tut, habe ich diese Liste zusammengestellt. Die Inspiration dafür kommt vom Blogtoberfest von Judith Peters: Sie nennt es die To-Want-Liste und hat in ihrem Blogbeitrag inzwischen über 350 Listen gesammelt. Auf meiner Liste geht es hauptsächlich um Beitragsthemen, die in den kommenden 10 Wochen auf diesem Blog besprochen werden. Ich nehme euch mit in meine Arbeitsweise rund um Dissertation mit Obsidian (und noch viel mehr!). Das hier wird ein professionell geiler Blog (Wording von einer Teilnehmerin im Blogtober-Meeting, das ich gern übernehme) der dir Spaß beim Lesen und mir Spaß beim Schreiben bringt. Los gehts: Das kommt auf dich, mich und diesen Blog zu:

    Blog-Ziele für 2025

    1. 15 Blogbeiträge bis Jahresende: Ich habe kurz gezögert diese Zahl aufzuschreiben, denn reichen nicht auch 10? Aber nein, nein … ich habe 15 aufgeschrieben weil ich genug Ideen habe und mich nicht durch eine niedrige Zahl einschränken, sondern lieber durch eine hohe Zahl herausfordern lasse. Nummer 1 liest du gerade, 14 to go.
    2. Newsletter: Für Infos zu aktuellen und kommenden Beiträgen sowie die kleine und großen Gedanken zwischendrin setze ich bis Ende November einen Newsletter auf und schicke euch dann wöchentlich eine Ausgabe. Und das hier wäre kein Blog zum persönlichen Wissensmanagement, wenn ich euch nicht direkt auch zeige, wie ich mit den Newslettern umgehe, die ich selbst regelmäßig lese.
    3. Dazulernen: Einen Blog betreiben gehört für mich in die Kategorie „Easy to learn, hard to master“. Deshalb habe ich mir für das Restjahr vorgenommen, mich durch das noch ausstehende Material eines bereits begonnenen Onlinekurses zu arbeiten. In einem Beitrag Ende Dezember zeige ich euch dann, wie ich solche Inhalte in Obsidian für mich verarbeite.

    Themen

    Wenn es um digitale Notizen und persönliches Wissensmanagement geht bin ich deine Go-To-Person: Ich lebe und beforsche diese Themen. Dieser Blog ist mein Weg, informierte Praxis mit dir zu teilen. Du hast die Möglichkeit, mir beim Denken zuzusehen und meine Arbeitsabläufe kennen zu lernen. Das sind meine Fokus-Themen:

    1. Notizen: Ich finde der Begriff „persönliches Wissensmanagement“ ist, wenn auch zutreffend, manchmal recht klobig zu verwenden und beinhaltet viele Facetten, die gemeint sein können. Worüber ich in diesem Kontext gern spreche sind digitale Notizen: Also das, was wir uns aufschreiben, wenn wir etwas Lesen, in Meetings sitzen oder eine coole Idee haben, die wir nicht vergessen wollen. Meine ersten Projekte: Notizarten (kommt im Laufe des Novembers) & Navigation durch deine digitalen Notizen (kommt Anfang Dezember).
    2. Obsidian.md: Obsidian hat sich in den letzten Jahren zu meinem Lieblingstool entwickelt und ich nutze es täglich für Notizen in all meinen Lebensbereichen (auch diese Zeilen sind zunächst in einer Obsidian-Notiz entstanden). Was genau ich da alles tue, zeige ich im Detail: Einstellungen, Aussehen, Quality-of-Life (für mich, in der App), Lieblingsfunktionen, häufig verwendete Plugins. Im Dezember könnt ihr euch zum Beispiel auf meine Plugin-Liste in Obsidian freuen.
    3. Diss mit Obsidian: Ich arbeite an meiner kumulativen Dissertation und ein Teil dieser ist ein Scoping Review, das ich aktuell bearbeite. Dazu gehört es, viele Quellen zu sichten, eine Auswahl davon im Detail zu lesen und zu analysieren. Wie meine Arbeitsabläufe aussehen, wie mir Obsidian dabei das Leben leichter gemacht hat und welche Tools ich sonst noch nutze liest du hier natürlich auch. Dazu habe ich je einen Beitrag im November und Dezember eingeplant.

    Ist etwas das dich interessiert nicht dabei? Kein Problem: Schlag mir das Thema in den Kommentaren oder per Mail vor und es kommt nach oben auf meine Liste kommender Beiträge.

    Fortschritte

    1. Seite aktualisieren: Die Über-mich-Seite ist als erstes dran und wird erweitert. Ich spreche nicht gern über mich (sondern viel lieber über meine Lieblingsthemen) – das macht dieses Vorhaben zu (m)einer kleinen Herausforderung im November.
    2. noch eine Seite aktualisieren: Direkt im Anschluss (wir haben dann schon Dezember) schaue ich mir meine Startseite nochmal an: Zwischen jetzt und Dezember liegen nur wenige Wochen, diese haben aber viel Bewegung in sich. Da lohnt ein prüfender Blick in den letzten beiden Wochen des Jahres.
    3. Newsletter-Archiv: Vom Newsletter-Plan habt ihr schon gehört – hier noch eine Ergänzung: Das Newsletter-Archiv eröffnet im Dezember. Im Archiv könnt ihr alle Newsletter nachlesen und verpasst nichts, selbst wenn ihr später in den Newsletter einsteigt.

    Einblicke

    Ich habe noch drei Projekte, die auf diesem Blog ein Zuhause finden werden:

    1. Cat-Content: Seit ein paar Jahren bereichern zwei Mitbewohner -zwei Kater- die mein Leben. Die beiden bekommen bis Ende Oktober eine eigene Seite. Anschließend kommt jeden Sonntag ein flauschiger Fotopost: Mein persönlicher Beitrag, damit dem Internet niemals die Katzenbilder ausgehen.
      ☑️ Cat Content
      ☑️ KW 43
    2. Origami-Galerie: Wenn ich den Kopf frei bekommen möchte oder Ablenkung brauche und das nicht am Bildschirm stattfinden soll, dann wird es Zeit, das quadratische Papier auszupacken und daraus etwas zu falten. Dafür richte ich im November eine Galerie ein in der ich (sporadisch) meine jeweils aktuellen Modelle zeige.
    3. Introvertiert leben: Meine Perspektive auf ein Welt, die nicht immer dafür gemacht ist als introvertierte Person darin zu leben. Rechnet hier bis Jahresende mit einem Essay zu praktischen Alltagstipps. Vielleicht erkennt ihr euch ja wieder oder versteht eure introvertierten Mitmenschen etwas besser.

    Möchtest du bis zum Jahresende in das Thema digitale Notizen einsteigen?

    Ich habe Ende 2022/Anfang 2023 einen Onlinekurs entworfen, der dich kompakt in Themen rund um digitale Notizen und persönliches Wissensmanagement einführt. Wenn du nach einem schnellen Einstieg in das Thema suchst und mich vor der Kamera erleben möchtest, dann schau hier mal vorbei: Dein DIGITALES Notizbuch (Offene Uni Rostock). Das Angebot ist dank einer Förderung der Universität Rostock kostenfrei nutzbar – du musst dich nichtmal irgendwo anmelden. Viel Spaß!

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner